Programm & Status der Ausstellung

MenschenZoos – Die Erfindung des Wilden beleuchtet die Geschichte von Frauen, Männern und Kindern, die von Afrika, Asien, Ozeanien und Amerika in den Westen gebracht wurden, um in Zirkusstücken, im Theater oder Kabarett, auf Jahrmärkten, in Paraden, Zoos, Dorfnachbauten oder auf internationalen – oder kolonialen Weltausstellungen ausgestellt zu werden. Diese Unternehmungen begannen im 16. Jahrhundert auf den königlichen Höfen und nahmen bis Mitte des 20 Jahrhunderts in Europa, Amerika und Japan zu.

Ein reicher Fundus an Bildern, Skulpturen, Postern, Postkarten, Filmen, Fotographien, Miniaturen, Zierrat, Modellschaukästen und Kostümen liefern Einsicht in das Ausmaß der erfolgreichen Unterhaltungsindustrie der MenschenZoos, die über eine Milliarde Besucher anzog, welche zwischen 1800 und 1958 über 35 000 Individuen verschiedener Länder bestaunten.

Diese Völkerschauen nutzten Anthropologen, um die ausgestellten Personen zu untersuchen, ihre Schädel und Gliedmaßen zu vermessen, sie zu kategorisieren und nach Rassen einzuteilen, welche in der Folge bewertet und hierarchisiert wurden. Der wissenschaftliche Rassismus beeinflusste die Völkerschauen. Einige waren harmlos, andere stigmatisierten die Ausgestellen als Angehörige von sogenannten „Rassen niederer Wertigkeit“. Diese Sicht auf Menschen unterschiedlicher Herkunft und kultureller Prägung wurden von vielen Völkerschauen gezielt aufgegriffen und verbreitet. Damit wurde der akademische Rassismus zu einem Rassismus der in alle Schichten der Gesellschaft drang. Die Ressentiments und Vorurteile, die Menschen ihrerzeit aufnahmen, wurden generationenübergreifend weitergereicht.

Die Motivation der Aussteller ist es, den heutigen Menschen zu ermöglichen, diesen generationenübergreifenden Ballast zu erkennen. Unterbewusstes soll bewusst und dadurch hinterfragbar werden.
Nicht nur die Mordtaten der NSU sondern bereits der alltägliche kleine und große Rassismus zeigen, dass es eine Notwendigkeit für diese Aufklärungsarbeit gibt.

Initiiert wurde das Vorhaben vor über zehn Jahren von Pascal Blanchard, dessen Buch Zoos humains. Au temps des exhibitions humaines (Paris: La Découverte) 2002 in Zusammenarbeit mit Nicolas Bancel und Gilles Boëtsch erschien. Das Buch erschien in ergänzter und abgewandelter Form in diesem Verlag im Jahr 2012 unter dem Titel „MenschenZoos – Schaufenster der Unmenschlichkeit“.

Basierend auf diesem Buch, eröffnete die erste große internationale Ausstellung zum Thema MenschenZoos 2011 im Musée du Quai Branly. Für diese Ausstellung wurden tausende Dokumente aus über 200 internationalen Museen (darunter das Prado Museum, die British Library, das Victoria & Albert Museum, die National Portrait Gallery und das Historische Museum Frankfurt) und Privatkollektionen zusammengetragen und Kooperationen mit über 30 Nationen eingegangen.

Weil die Ausstellung mit 266 774 Besuchern einen großen Erfolg feierte, wurden auf dieser Basis 19 (in den deutschsprachigen Ländern sind es 22) Ausstellungstafeln produziert. Auf diesen sind die wichtigsten historischen Zeugnisse mit erläuternden Texten abgebildet. Sie sind der Kern der Wanderausstellungen, zu denen, je nach Ausstellungsort, noch verschieden Module wie wissenschaftliche Vorträge, Filmvorführungen oder Mal- und Tanzworkshops kommen können.

Bisherige und aktuell stattfindende Ausstellungen:

I. Paris, Musée du Quai Branly

Wann: 29.11.2011 – 03.06.2012

Wo: Musée du Quai Branly
37 Quai Branly
75007 Paris

Kuratoren: Gilles Boëtsch, Pascal Blanchard, Nanette Jacomijn Snoep, Lilian Thuram,

Partnerschaften: 
- Le nouvel Observateur
- Paris ile-de-france 3
- franceô
- RTL
- cnrs – le journal
- Grands Reportages
-  die Zeitschrift GEO
- les inRocKuptibles

Besonderheiten: Die Ausstellung findet an einem symbolträchtigen Ort, nahe des Eifelsturms, statt. An der Stelle, an der das Musée du quai Branly steht, fanden ab Ende des 19 Jahrhunderts Völkerschauen statt.

Es gibt die Möglichkeit, sich persönlich durch die Ausstellung führen zu lassen oder aber durch einen audioguide.

Zudem gibt es ein Begleitheft für Lehrer (TDC- textes et documents pour la classe) und einen Ausstellungskatalog.

6.01.2012: Musik, Tanz und Performance

24.01- 25.01.2012: internationales Kolloquium

26.01-6.04.2012: Dokumentar-, Archiv- und Spielfilme

Fotos

Präsident Frankreichs Francois Hollande, Verlegerin der Éditions du Crieur Public Yasmine Azzi-Kohlhepp und Kurator, Stiftungsgründer und ehemaliger französischer Fußballnationalspieler Lilian Thuram

Präsident Frankreichs Francois Hollande, Verlegerin der Éditions du Crieur Public Yasmine Azzi-Kohlhepp und Kurator, Stiftungsgründer und ehemaliger französischer Fußballnationalspieler Lilian Thuram bei der Eröffnung der Ausstellung “Exhibitions – l’invention du sauvage” im Musée du Quai Branly

Francois Hollande und Historiker sowie Autor der Éditions du Crieur Public Pascal Blanchard bei der Führung durch die Ausstellung

Francois Hollande und Historiker sowie Autor der Éditions du Crieur Public Pascal Blanchard bei der Führung durch die Ausstellung

Ausstellungsplakat

Ausstellungsplakat

Musée du Quai Brandy und im Hintergrund der Eiffelturm

Musée du Quai Brandy und im Hintergrund der Eiffelturm

Eingang des Musée du Quai Branly

Eingang des Musée du Quai Branly

Musée du Quai Branly bei Nacht

Musée du Quai Branly bei Nacht

Lilian Thuram

Lilian Thuram

Lilian Thuram

Lilian Thuram

 

Weitere Informationen finden Sie hier.

 

II. Paris, Jardin d’Acclimatation

Wann: 21.11.2012 – 06.01.2013

 Wo:    Le Musée des Enfants – Jardin d’Acclimatation
Bois de Boulogne
75016 Paris

Kuratoren: Lilian Thuram,Groupe de recherche Achac le racisme

Partnerschaften:
Groupe de Recherche Achac
- Fondation Lilian Thuram
- Le Jardin d’Acclimatation
- La Ville de Paris (die Stadt Paris)
- Ministère des Outre-mer (das französische Überseeministerium)
- Acsé – Agence nationale pour la cohésion sociale et l’égalité des chances, Institut (das französische Minsterium für Gleichberechtigung)
- Randstad
- La Découverte
- Respect Mag, Africultures
- Afriscope
- Tropiques FM
- casden
- MGEN
- cpmhe – Comité pour la Mémoire et l’Histoire de l’Esclavage (Komitee für die Erinnerung und die Geschichte der Sklaverei)

Besonderheiten: Der Bois de Boulogne mit dem Jardin d’Acclimatation ist sowohl Spielplatz von Generationen von Kindern als auch eine historische Stätte: von 1877 bis 1937 fanden hier Kolonialausstellungen und Völkerschauen statt.

Fotos

Ausstellungsplakat

Ausstellungsplakat

Altes Ausstellungsplakat

Altes Ausstellungsplakat

Lilian Thuram vor einem alten Ausstellungsplakat des jardin d'acclimatation

Lilian Thuram vor einem alten Ausstellungsplakat des jardin d’acclimatation

 

Musée des Enfants im jardin d'acclimatation

Musée des Enfants im jardin d’acclimatation

Musée des Enfants im jardin d'acclimatation

Musée des Enfants im jardin d’acclimatation

Jardin d'acclimatation

Jardin d’acclimatation

Kinder auf dem Karussell des jardin d'acclimatation

Kinder auf dem Karussell des jardin d’acclimatation

Jardin d'acclimatation

Jardin d’acclimatation

Jardin d'acclimatation

Jardin d’acclimatation

Jardin d'acclimatation

Jardin d’acclimatation

Bär im Zoo des jardin d'acclimatation

Bär im Zoo des jardin d’acclimatation

Weitere Informationen finden Sie hier.

 

III: Nantes, Maison de Quartier Dervallières – ACCOORD 

Wann: 05.12.2013 – 20.12.2013

Wo:     Maison de Quartier Dervallières – ACCOORD /

5 Rue Auguste Renoir

44100 Nantes

Kuratoren: Lilian Thuram, Groupe de recherche Achac

Partnerschaften:

- Les Francas des Pays de la Loire

- ACCOORD – Association pour la réalisation d’activités éducatives, sociales et culturelles de la ville de Nantes

- La Ville de Nantes (Die Stadt Nantes)

Besonderheiten:

Der Hauptpartner der Ausstellung in Nantes, die Stiftung für Bildung Francas des Pays de la Loire, möchte mit der Ausstellung vor allem Kinder und Jugendliche erreichen, um sie für die Geschichte und die Konstruktion von Vorurteilen und Stereotypen zu sensibilisieren. Die Schüler sollen durch die Ausstellung zu einem Gedankenaustausch zum Thema Gemeinschaft angeregt werden. Ihre kommunikative Interaktion, ihre Fragen und Erfahrungen sollen sie dazu anregen, in der Zukunft eine aktive Bürgerrolle zu übernehmen und am Aufbau einer respektvollen Gemeinschaft teilzuhaben.

Eröffnungsprogramm

17:30 Uhr : Feierliche Eröffnung der Ausstellung

18:00 Uhr : Präsentation des Projekts

18:15 Uhr : Runder Tisch mit Pascal Blanchard, Historiker (ACHAC), Lilian Thuram (Stiftung Lilian Thuram) und Moustapha Rahmani (ACCOORD – MQ Dervallières)

19:30 Uhr : Cocktail

Fotos:

Ausstellungsplakat

Ausstellungsplakat

 

Weitere Informationen finden Sie hier http://www.francaspaysdelaloire.fr/Exposition-Zoo-Humains-l-invention

 

IV: Museum der nordfranzösischen Stadt Rouen

 Wann: 04.04.2014 – 09.11.2014

 Wo:    Muséum de Rouen
198, rue Beauvoisine
76000 Rouen

Kuratoren: Lilian Thuram,Groupe de recherche Achac

Partnerschaften:
Die Stadt Rouen
- Das Museum der Stadt Rouen.

Besonderheiten:

Die Ausstellungsplakate sind ergänzt um die Geschichte der afrikanischen Dörfer, die 1889, 1896 und 1903 in Rouen ausgestellt wurden.

4.04, 15.04, 13.05.2014: Vorführung der Filme „Zoos Humains“, „La Vénus noire“, „Freaks, la monstrueuse parade“

22.04.2014: Comic-Workshop für Jugendliche von 12 bis 17 Jahren, mit Fred Duval und EmEm, Comic-Autor und Illustrator.

23, 24 und 25.04.2014: Mal-Workshop für Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren. Unter der Leitung von professioneller Künstlerin Manuela Dikoumé. Im Rahmen der Ausstellung «Zoos humains, l’invention du sauvage» werden die Kinder auf Basis von Dokumenten vom Ende des 19. Jahrhunderts, Magazinen, Werbung, Schulbücher…, ein eigenes, einzigartiges Werk schaffen.

27.04.2014: Tanz für Kinder ab 10 Jahren, Highlight mit Hip-Hop über Hangar 23 mit Bintou Dembélé. Zusammen mit Z.H. (Initialien des „Zoos humains“), besucht die Choreographin Bintou Dembélé die dunkelsten Seiten der Geschichte. Mithilfe von fünf Tänzern drückt sie die Klischees aus, die die Kolonialmächte in den Körper eingeschrieben haben

13.05.2014: Autogrammstunde mit Krimiautor Didier Daeninckx

17.06.2014: Konferenz zu « Aux confins de la civilisation: voyage d’exploration au pays cannibale » von Martin und Osa Johnson sowie « Chez les mangeurs d’hommes » von Paul Antoine und Robert Lugen

Aufgrund des hohen Besucherandrangs ist die Ausstellung bis November 2014 verlängert worden.

Fotos

Museum d'histoire naturelle Rouen

Museum d’histoire naturelle Rouen

Eingang des Museum d'histoire naturelle Rouen

Eingang des Museum d’histoire naturelle Rouen

Mal-Workshop Leiterin Manuela Dikoumé

Mal-Workshop Leiterin Manuela Dikoumé

Tanz-Workshop Leiterin Bintou Dembélé

Tanz-Workshop Leiterin Bintou Dembélé

Tanz-Workshop Leiterin Bintou Dembélé bei einer ihrer Performances

Tanz-Workshop Leiterin Bintou Dembélé bei einer ihrer Performances

Tanz-Workshop Leiterin Bintou Dembélé bei einer ihrer Performances

Tanz-Workshop Leiterin Bintou Dembélé bei einer ihrer Performances

Kirmiautor  Didier Daeninckx vor französischen Schulkindern nach dem Besuch der Ausstellung "Zoos Humains, l’invention du sauvage"

Krimiautor Didier Daeninckx vor französischen Schulkindern nach dem Besuch der Ausstellung “Zoos Humains, l’invention du sauvage”

Exponat der ständigen Ausstellung

Exponat der ständigen Ausstellung

Exponat der ständigen Ausstellung

Exponat der ständigen Ausstellung

Kinder in der ständigen Ausstellung des Museum d'histoire naturelle Rouen

Kinder in der ständigen Ausstellung des Museum d’histoire naturelle Rouen

Filmplakat "La Vénus Noire"

Filmplakat “La Vénus Noire”

Filmplakat "Freaks, la monstrueuse parade"

Filmplakat “Freaks, la monstrueuse parade”

Museum_Rouen_Mangeurs_dhommes_2014

Filmplakat “Chez les mangeurs d’hommes”

 

Weitere Informationen finden Sie hier.

 

V. Naturkundemuseum Angers

Wann:       12.07.2014 – 28.12.2014

 Wo:    Muséum des sciences naturelles,

3 Rue Jules Guitton

49100 Angers

Kuratoren: Lilian Thuram, Groupe de recherche Achac

Partnerschaften:


Die Stadt Angers

- Das Naturkunde-Museum der Stadt Angers.

Besonderheiten:

Die Ausstellungseröffnung fand am Freitag, den 11. Juli 2014 um 18.30 Uhr statt.

Das Naturkundemuseum Angers möchte besonders den regionalen Bezug der Ausstellung betonen und macht seine Besucher deshalb u.a. auch auf die Schaustellung des „Negerdorfes“ 1906 in Angers aufmerksam.

Fotos:

Plakat der Wanderausstellung in Angers

Plakat der Wanderausstellung in Angers

Naturkundemuseum Angers

Naturkundemuseum Angers

„Negerdorf“; Foto-Postkarte der Völkerschau 1906 in Angers

„Negerdorf“; Foto-Postkarte der Völkerschau 1906 in Angers

Foto-Postkarte der Völkerschau 1906 in Angers

Foto-Postkarte der Völkerschau 1906 in Angers

Weitere Informationen finden Sie hier

http://www.angers.fr/vie-pratique/culture/les-equipements-culturels/le-museum-des-sciences-naturelles/accueil-museum/exposition-temporaire/index.html

 

In der Planung und Vorbereitung sind die folgenden Ausstellungen:

I. Marseille

 II. Guyane

 III. Guadeloupe

 IV. Aix en provence

 V. New York, N.Y.

 VI. UCLA, Los Angeles

 

  1. Pingback: “Der Spiegel” berichtet über Menschenzoos | Les Éditions du Crieur Public

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