Wer war eigentlich…. Olympe de Gouges ?

Olympe de Gouges

Olympe de Gouges

Mindestens genauso cool wie Emma Watson – die Schauspielerin in allen Ehren – ist Olympe de Gouges. Die in ihrer Bedeutung verkannte Frauenrechtlerin der ersten Stunde wurde 1748 im französischen Montabaun geboren. Zu ihrer Zeit war der Analphabetismus, besonders unter den Frauen, sehr groß. Ihr Wissen erwarb sie im Selbststudium.

Als die französische Nationalversammlung 1791, also 4 Jahre nach der Französischen Revolution, die erste republikanische Verfassung Frankreichs verabschiedet hatte, der die allgemeine Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 als Grundrechte vorangestellt waren, veröffentlichte de Gouges ihre „Déclaration des droits de la femme et de la citoyenne“ („Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“), weil sie das Gleichheitsversprechen der Menschenrechte in der Verfassung nicht erfüllt sah.

Aint no revolution without womenDa die Frauen an der Französischen Revolution beteiligt gewesen waren – so waren die Hungerunruhen und Agrarrevolten unter dem Ancien Régime hauptsächlich von den Frauen organisiert worden, 1789 dann marschierten 8000 bis 10000 Frauen von Paris nach Versailles, um den König zur Abschaffung der Feudalität und zur Unterschreibung der allgemeinen Menschenrechte zu zwingen - prangerte de Gouges die Anmaßung des Mannes an, ganz allein von der Revolution zu profitieren.

Eine wesentliche Errungenschaften dieser Revolution war die Zivilehe mit Scheidungsfreiheit für beide Partner gewesen, d.h. die Befreiung der Ehe aus kirchlicher Jurisdiktion. Nach der Revolution aber plädierten gerade die radikalsten männlichen Revolutionäre, die Jakobiner, gegen die Freiheiten der Frau. Der Sittenverfall und das Chaos, die mit den Freiheiten von 1789 einher gegangen waren, lasteten diese insbesondere den Frauen an. In einem Schreiben von 1792 deklarieren sie: „Die Ehre der Frauen besteht darin, in aller Stille die Tugenden ihres Geschlechts zu kultivieren, und zwar unter dem Schleier der Bescheidenheit und im Schatten des Heimes. Auch kommt es den Frauen nicht zu, den Männern den Weg zu weisen…“.

What did you say?Nach der Verfassung galt dementsprechend nur das Männerwahlrecht nach Besitzklassen. In ihrer Schrift wehrt sich de Gouges gegen diese Ungerechtigkeit, indem sie fragt „Mann, bist du fähig, gerecht zu sein?“ Die wesentliche Leistung de Gouges besteht darin, dass sie die Frauenrechte als Menschenrechte manifestierte, ähnliche wie Emma Watson mehr als 200 Jahre später in ihrer UN-Rede.

Emma Watson als Hermine in "Harry Potter"

Emma Watsons UN-Rede für die Gleichheit von Frau und Mann: https://www.youtube.com/watch?v=Q0Dg226G2Z8

De Gouges schreibt in Artikel 16 beispielsweise: „Die Verfassung ist null und nichtig, wenn die Mehrheit der Individuen, die die Nation darstellen, an ihrem Zustandekommen nicht mitgewirkt hat.“ In Artikel 11 fordert sie das Recht der Frau, den Vater ihrer nicht ehelichen Kinder benennen und gerichtlich belangen zu können, und weist damit auf die Not der von Männern betrogenen und verlassenen Frauen hin. Auch erhebt sie das Recht an der Teilhabe der Frauen am gemeinsamen Vermögen, d.h. die Verantwortlichkeit der Väter an ihren auch außerhalb der Ehe geborenen Kindern. Als Konsequenz ihrer Gleichheitsforderung lehnt sie auch Sonderrechte oder Rechtswohltaten für Frauen nach Artikel 7 und 9 der Verfassung ab.

De Gouges kämpfte für eine neue Gesellschaft, die ihrer Meinung nach nur mithilfe des Rechts und mit Verzicht auf Gewalt und Blutvergießen zu erreichen war. Daher lehnte sie auch die Verurteilung König Ludwig XVI. zum Tode als Rechtsbruch ab und bot sich im Prozess sogar als seine Verteidigerin an. Damit aber bekam sie das Stigma einer Royalistin verpasst.

I'm a feminist, now what?Als sie weiterhin gegen der Terror der Jakobiner agitierte und deren führenden Denker und Anführer Robespierre und Marat der Brutalität und Diktatur bezichtigte, wurde sie vom Revolutionstribunal zum Tode verurteilt. Am 3. November 1793 wurde sie mit der Guillotine hingerichtet.

Einen Tag vor ihrem Tod wurde ironischerweise eine gesetzliche Bestimmung erlassen, demnach den Frauen die Nachforschung nach dem leiblichen Vater eines Kindes ausdrücklich untersagt wurde. Das Dekret wurde unverändert 1804 in Napoleons Code Civil übernommen und bewahrte bis 1938 in Frankreich Gültigkeit.

Nicolas Condorcet

Marquis Marie Jean Antoine Nicolas Caritat de Condorcet

Die Frauenrechtsbewegung seit 1789 fand aber auch männlichen Fürspruch, u.a. vonseiten des Mathematikers und Philosophen Marquis Marie Jean Antoine Nicolas Caritat de Condorcet (1743-1794), der die Ausschließung der Frauen aus dem Bürgerrecht als „Akt der Tyrannei“ betrachtete. Er schrieb: „Entweder hat kein Glied des Menschengeschlechts wirkliche Rechte, oder sie haben alle die gleichen, und derjenige, der gegen das Recht eines anderen stimmt, mag er auch einer anderen Religion, einer anderen Herkunft, einer anderen Hautfarbe oder dem anderen Geschlecht angehören, hat damit seine Rechte verwirkt.“

Weltkarte

Wer sich dem Marquis Marie Jean Antoine Nicolas Caritat de Condorcet anschließen und seiner Solidarität mit den Frauen ebenfalls Ausdruck verleihen möchte, der kann dies u.a. auf Emma Watsons Webseite „He for She“ tun http://www.heforshe.org .  Sehr interessant auf dieser Webseite ist die Weltkarte, in der man bzw. frau einsehen kann wie viele Männer pro Land schon unterzeichnet haben (siehe z.B.: Schweden: 6 932 Männer, Deutschland: 4 322 Männer, Russland: 411 Männer, Kiribati: 1 Mann).

Les Éditions du Crieur Public

Quelle: Ute Gerhard: Frauenbewegung und Feminismus. Eine Geschichte seit 1789. München 2009, S.14-28.

 


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