War August Bebel… eine Frau?

August Bebel / Foto um 1880

August Bebel (1840-1913)

August Bebel war keine Frau, aber dennoch Feminist. Er war der erste Mann in Deutschland, der die Frauenunterdrückung öffentlich beschrieb und seine Wurzeln aufzudecken versuchte.

Er war Begründer und Führer der SPD und seit der Gründung des Deutschen Kaiserreiches 1871 bis 1913 einer der einflussreichsten Abgeordneten im Reichstag. Innerhalb der Arbeiterbewegung gab es eine starke Fraktion, die den Sozialismus als pure Männerangelegenheit sah. Dem entgegen setzte sich Bebel für die private Stärkung der Frau und ihre Einbindung in das politische Leben ein.

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Ende des 19. Jahrhunderts nämlich war die Frau in Deutschland sozial, politisch und rechtlich diskriminiert: In wesentlichen familiären Angelegenheiten war sie von der Entscheidung des Mannes abhängig. Ohne das Einvernehmen des Mannes konnte sie nicht arbeiten gehen und Bildung war in der Regel nur der wohlhabenden Frau vergönnt. Auch besaß sie kein Wahlrecht und sich politisch zu organisieren war ihr verboten.

feminists-fight-capitalismIn seinem 1879 erschienenen Buch Die Frau und der Sozialismus – die am weitesten verbreitete marxistische Agitationsschrift des 19. Jahrhunderts – machte Bebel deutlich, dass die Gleichberechtigung von Mann und Frau besondere Aufmerksamkeit verdiene, wenn man die „soziale Frage“ stelle- also die Frage danach, wie soziale Ungerechtigkeiten und die Spaltung der Gesellschaftsklassen zu beseitigen seien, die seit der Industriellen Revolution und der Entstehung des kapitalistischen Marktes entstanden waren.

Capitalism isn't workingIndem er wissenschaftliche Informationen über Ehe, Sexualität, Prostitution und Rechtsstellung der Frau zusammentrug und auswertete, gelangte er zu der Annahme, dass sowohl Kapitalismus als auch die Herrschaft der Männer, das Patriarchat,  beseitigt werden müssten, damit die Frau frei sein könne.  Die Freiheit der Frau sah er als Teil der allgemeinen „Befreiung der Menschheit“ an.

Ein Problem der Frauenunterdrückung lag für ihn an der unentlohnten Hausarbeit, die die Frau verrichtete und die ihre finanzielle – und laut Bebel damit auch geistige und körperliche – Abhängigkeit zum Ergebnis hatte. Er schrieb: „Die Frau muss ökonomisch unabhängig sein, um es körperlich und geistig zu sein, damit sie nicht mehr von der Gnade und dem Wohlwollen des anderen Geschlechtes abhängig ist“.

really_good_careersDen „Naturberuf“ der Frau als Ehefrau und Mutter besah er mit Skepsis und erkannte in der Verpflichtung zur Häuslichkeit ihre Unfreiheit. Daneben kritisierte er stärker als andere sozialistische Denker auch die für Frauen geltende strenge Sexualmoral, die er wie den “Naturberuf” als Mittel zur Unterdrückung der Frau und zur Sicherung der Männerherrschaft anprangerte.

Sexualmoral

Zwar nahm die SPD 1891 das Frauenwahlrecht in ihr politisches Programm. Aber es dauerte bis 1918, bis die Frauen in Deutschland tatsächlich das Wahlrecht erhielten. In Artikel 109 der Weimarer Verfassung hieß es dann:

„Männer und Frauen haben grundsätzlich dieselben staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten“.

 

Les Éditions du Crieur Public


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