Wanderausstellung in Rouen

Das Muséum in der nordfranzösischen Stadt Rouen zeigt von 4. April bis 9. November* die Ausstellung „MenschenZoos – die Erfindung des Wilden“. Die Wanderausstellung basiert auf der 2011 im Musée du quai Branly gezeigten, vielgefeierten Ausstellung „Exhibitions – l’invention du sauvage“.

Im Fokus steht die Geschichte der Völkerschauen bzw. der sogenannten „Menschenzoos“. Eine solche Zurschaustellung gab es in Rouen in den Jahren 1889, 1896 und 1903 mit den „afrikanischen Dörfern“. Die regulären Tafeln der Wanderausstellung sind um die Geschichte dieser ergänzt.

Die Ausstellung richtet sich an Jung wie Alt: den Besucher erwartet beispielsweise die Vorführungen einschlägiger Filme (4. April „Zoos Humains“, 15. April „Vénus noire“, 13. Mai „Freaks, la monstreuse parade“, 17. Juni „Aux confins de la civilisation: voyage d’exploration au pays cannibale“ und „Chez les mangeurs d’hommes“).

Im Film „Zoos Humains“ (2002) von Pascal Blanchard und Éric Deroo geht es um die Menschenzoos, die von Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Zwischenkriegszeit Millionen Besucher anzogen. In Käfigen, im Zoo oder in nachgebauten Dörfern wurden Menschen fremder Nationen wie „Wilde“ ausgestellt. Der Dokumentarfilm wartet mit originalem Bildmaterial auf und zeichnet nach, wie der Rassismus mithilfe der Menschenzoos in der westlich-industrialisierten Bevölkerung Europas salonfähig wurde.

Filmplakat "Vénus Noire"

Filmplakat “Vénus Noire”

Im Spielfilm „Vénus noire“ (2010) wird das Leben der Sarah Baartmann erzählt, eine junge Einheimische aus der Kapkolonie, der heutigen Provinz Südafrikas, des Volkes Khoisan. Sie wurde auch die „Venus Hottentotten“ genannt. Als Sklavin wird sie 1810 mit ihren Brüdern und Schwestern von ihrem „Meister“ Caezar nach Europa gebracht, wo sie aufgrund ihrer Statur zu einer Attraktion wird. Sie wird in England, Holland und Frankreich ausgestellt. 1815 wird sie zum Forschungsobjekt des französischen Zoologen und Anatomen Georges Cuvier, der sie begutachtet und für den Beweis für die Minderwertigkeit bestimmter fremder „Rassen“ erklärt.

Filmplakat "Freaks"

Filmplakat “Freaks”

Der Spielfilm „Freaks“ (1932) handelt von den Liebschaften und Intrigen in einem Zirkus. Der zwei Kleinwüchsigen Hans und Frieda sind das Gespött der „normalen“ Zirkusartisten. Regisseur Tod Browning rekrutierte seine Darsteller aus echten Zirkussen und Rummelplätzen. Trotz seiner Intention, die Wahrnehmung von „Normalen“ und „Freaks“ infrage zu stellen, knüpfte er mit diesem effektreichen Film vielmehr an den Erfolg seines vorhergegangenen Horrorfilms „Dracula“ an und schaffte weiteres großes, amerikanisches Unterhaltungskino.

Filmplakat "Chez les mangeurs d'hommes"

Filmplakat “Chez les mangeurs d’hommes”

„Aux confins de la civilisation: voyage d’exploration au pays cannibale“ ist ein Dokumentarfilm des amerikanischen Abenteuerpaares Martin und Osa Johnson und eine Auseinandersetzung mit der Fremdheit des Kannibalismus. Im Film „Chez les mangeurs d’hommes“ wird gezeigt, wie Dokumentarfilmer Paul Antoine und Robert Lugeon auf der Insel Malekula auf den Spuren des berühmten Ehepaares wandern und sich auf den Weg machen, den vermeintlich menschenfressenden Stammesführer Nagapath und seine Männer zu treffen. Die zwei Dokumentarfilme werden von Ethnologe Roger Boulay kommentiert.

Mal-Workshop Leiterin Manuela Dikoumé

Mal-Workshop Leiterin Manuela Dikoumé

Über dieses reiche Filmprogramm hinaus wird es einen Comic-Workshop für Jugendliche von 12 bis 17 Jahren (22. April), einen Mal-Workshop für Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren (23, 24 und 25. April), einen Tanz-Workshop für Kinder ab 10 Jahren (27. April) und eine Gesprächsrunde gefolgt von einer Autogrammstunde mit Gesellschaftskritiker und Kriminalautor Didier Daeninckx (13. Mai) geben.

Die Kuratoren, Lilian Thuram und die internationale Forschungsgruppe Achac, haben in Rouen Unterstützung vonseiten der Stadt Rouen und des Muséum Rouen erfahren.

*Anmerkung: die Ausstellung ist aufgrund der hohen Besucherzahlen bis November verlängert worden.

 


Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>