The Australian über die Ausstellung „Exhibitions. L’invention du sauvage“

Schnell sei sie zu der meistbesprochenen und kontroversesten Ausstellung des Jahres avanciert: „Exhibitions. L’invention du sauvage“, noch bis zum 3. Juni zu sehen im Musée du quai Branly.

Ausgerichtet im Herzen Frankreichs, zeige sie das Bemühen der ehemaligen Kolonialmacht, ihr koloniales Erbe durch eine offene Debatte über Immigration und die Sicht auf „den Fremden“ zu verarbeiten, schreibt Ilmar Leetberg.

Der Außergewöhnliche, der Wilde und das Monster seien immer schon Subjekt intensiver Neugier gewesen. Historisch gesehen habe „der Fremde“ die Gesellschaft immer schon unterhalten und ihr dabei gedient, sich selbst zu definieren.

Leetberg beschreibt seinen Lesern im Folgenden vor allem das Australien-Spezifische der Ausstellung: In dieser Show bezeugten die 500 Ausstellungsstücke- Kunst, Poster, Presseerzeugnisse und Mutimedia – u.a. auch die „in Australien selten erzählte Geschichte der zwischen 1890 und 1940 in den großen Ausstellungen, den herumreisenden Zirkussen und den etablierten Unterhaltungshallen wie die Folies Bergère zur Schau gestellten Aborigines”.

Die Ausstellung am quai Branly illustriere, wie die Fremden der neuen Welten auf „pseudo-ethnografische Art“ präsentiert wurden. Aborigines seien angeleitet worden, Rituale des Kannibalismus vorzuführen, obwohl dies nicht Teil ihrer Kultur sei.

Ein im Branly exponiertes großes Poster, gedruckt in Frankfurt 1885, kündige den Auftritt von „Männlichen und weiblichen australischen Kannibalen“ an und „die erste und einzige Siedlung dieser merkwürdigen, wilden, entstellten und überaus gewalttätigen Rasse, die je von der fernen, isolierten Wildnis herangelockt wurde, von da, wo sie endlosen Fehden und Beutezügen nachgehen, um sich gegenseitig zu fressen“.

Kolonialismus, Rassentheorie und der Glauben an die Überlegenheit des Westens hätten sich durch diese Zurschaustellungen durchgesetzt, schreibt Leetberg. Aber das Museum gehe einen Schritt weiter, indem es sich auch ansehe, wie das Schicksal der mental und physisch Missgebildeten und „Fremden“ von Unterhaltungsindustrie und Wissenschaft ausgenutzt wurde. Im Paris des 19 Jahrhunderts seien physische, kulturelle und mentale Abnormalitäten nämlich als Charakteristiken ganzer „Rassen“ angesehen worden, nicht von Individuen. So seien um die Jahrhundertwende in den U.S.A. Behinderte auf Jahrmärkten als „Aborigine“ oder „Australier“ präsentiert worden.

Es sei ein „genialen Einfall“ des Museums, den Besucher am Ende der Ausstellung mit Jahrmakrtsspiegeln aus dem 19 Jahrhundert zu konfrontieren, in denen er sich verzerrt spiegele. Die Spiegelung entstelle den Besucher und mache ihn selbst zum „Fremden“.

Den vollständigen Artikel finden Sie hier

http://www.theaustralian.com.au/arts/the-savage-art-of-the-human-zoo/story-e6frg8n6-1226275094305?nk=d93f016794959595afe0e80997c0f090


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