Schwangerschaft ohne Mann: Das Mysterium Marias

Darstellung MariasIn der Weihnachtszeit gedenken wir Maria als die Mutter Gottes, derjenigen, die Jesus gebar.

Im Neuen Testament heißt es bei Matthäus:

„Die Geburt Jesu Christi geschah aber so: Als Maria, seine Mutter, dem Josef vertraut war, fand es sich, ehe er sie heimholte, dass sie schwanger war von dem Heiligen Geist. Josef aber, ihr Mann, war fromm und wollte sie nicht in Schande bringen, gedachte aber, sie heimlich zu verlassen. Als er das noch bedachte, siehe, da erschien ihm der Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem Heiligen Geist. Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. Das ist aber alles geschehen, damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht: „Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben“, das heißt übersetzt: Gott mit uns. Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. Und er berührte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar; und er gab ihm den Namen Jesus.“

mariaIm Lukasevangelium erfahren wir, dass Maria eine „Jungfrau“ ist, die mit Josef zusammenlebt. Der Engel Gabriel besucht sie und verkündet ihr: „Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben.“ Und Maria wundert sich über diese Verkündigung, da sie Jungfrau ist: „Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Mann weiß?“ Der Engel antwortet ihr schließlich, der heilige Geist werde „über“ sie kommen und die „Kraft des Höchsten“ werde sie „überschatten“.

Die Geburt Jesu geht dann folgendermaßen vonstatten (nach Lukas):

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt. Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte.

Madonnenfigürchen

Madonnenfigürchen

Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.

Madonnenfigürchen

Madonnenfigürchen

Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens. Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen.

Maria als USB-Stick

Maria als USB-Stick

Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war. Und als acht Tage um waren und man das Kind beschneiden musste, gab man ihm den Namen Jesus, wie er genannt war von dem Engel, ehe er im Mutterleib empfangen war.

Madonna-Tattoo

Madonna-Tattoo

Tatsächlich ist uns von diesen Textstellen abgesehen wenig über Maria bekannt. In den heutigen Gottesdiensten ist sie wenig präsent und die kalendarischen Feiertage, die ihr gewidmet sind – der Jahrestag ihrer Geburt (8. September), der Tag der Verkündigung (25. März) und der Tag der Himmelfahrt (15. August) – werden kaum zelebriert.

Die bildende Kunst brachte sie uns aber seit der frühen Christianisierung im 2. Jahrhundert durch zahlreiche Skulpturen und Bildnisse näher. Und der volkstümliche Madonnen-Kult ist nach wie vor sehr präsent: Wallfahrtsorte, Madonnenfigürchen und –postkarten zeugen davon.

Die heilige Familie nach RembrandtWie Luce Irigaray in einem ihrer aktuellen Werke, „Das Mysterium Marias“, unterstreicht, muss Maria aber über ihre weltliche Stilisierung hinaus als biblische Gestalt ernst genommen werden. In ihrem Versuch, Maria aus feministischer Perspektive aufzuwerten, schreibt sie: „Maria [...] kennzeichnet den Beginn des christlichen Zeitalters. Ohne sie würde die Frohe Botschaft des Christentums nicht existieren. Sie ist die Bedingung der Fleischwerdung, die erste Vermittlung, die Vermittlerin zwischen Gottheit und Menschheit, zwischen Gott und den Menschen“.

Madonna Mini-Schrein

Madonna Mini-Schrein

In dieser Fähigkeit des Erschaffens eines neuen Zeitalters, in der Fähigkeit, zu gebären, in der Fähigkeit der Mutterschaft sieht Irigaray eines der zwei Mysterien Marias: eine Frau erschafft hier ein Leben, das Leben eines Mannes.

Ein weiteres Mysterium manifestiert sich für sie in der Jungfräulichkeit Marias: ohne ein Vermischen mit dem Fleisch eines Mannes wird Maria schwanger und gebiert einen Sohn. Die Jungfräulichkeit, so Irigaray, erlaube Maria eine „Intimität mit sich selbst“.

Nach Irigaray ließe sich also sagen, dass Maria nicht „trotz“ ihrer Jungfräulichkeit den Sohn Gottes gebiert, sondern gerade wegen dieser Jungfräulichkeit. Die Jungfräulichkeit gibt Maria eine physische und transzendentale Integrität, die sie befähigt, diese herausragende Leistung – die Geburt Gottes – zu vollbringen, und zwar unabhängig von ihrem Volk, von ihrer Herkunft und von ihrem Verlobten Josef.

Madonna

Das Buch „Mysterium Marias“ ist übrigens ein wunderbares feministisch-weihnachtliches Geschenk und lässt sich hier erwerben.

Les Éditions du Crieur Public möchte all seinen Lesern sehr herzlich für die rege Teilnahme an den feministischen Wochen danken und wünscht allen fröhliche Weihnachten und besinnliche Feiertage! 

 


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