Hamburg – Der Beginn von Hagenbecks Völkerschauen

 

Im 19. Jahrhundert war Hamburg ein Ort, an dem ein reger Handel mit allen möglichen Importen fremder Ländern stattfand. In St. Pauli entwickelte sich ein Kleinhandel mit Kuriositäten sowie ein Amüsierviertel mit Theatern, Panoptiken, Buden, Menagerien, Jahrmärkten, Panoramen und Varietés.

Hier zeigte der Fischhändler John Hagenbeck im Jahr 1848 erstmals einige Robben gegen Geld. Er erweiterte dieses Unternehmen nach und nach zu einer Menagerie mit Tierhandel. Sein Sohn Carl Hagenbeck (1844-1913) trat mit 15 Jahren in die väterliche Firma ein und erschloss dieser mit der Idee der Völkerschau in Deutschland erst eine und im Laufe der Zeit die zusätzliche Einnahmequelle, welche ein bedeutendes Vermögen generierte. Hagenbecks erste Völkerschau fand 1875 statt. Er begann in Hamburg, dehnte seine Aktivitäten auf Deutschland und später auf Europa aus. Viele Zuschauer anziehend und damit sehr lukrativ, war auch die Ausstellung von Kindern.

Carl Hagenbeck wurde zu Europas bedeutendstem und erfolgreichstem Organisator von Völkerschauen, Hamburg war damit sozusagen die “Geburts-” und in der Folge die “Hauptstadt” der Völkerschauen / MenschenZoos, nicht nur in Deutschland sondern für Europa.

Geld wurde nicht nur mit den Ausstellungen direkt verdient sondern auch mit “Begleitprodukten”, hier sind insbesondere Postkarten zu nennen. Die hier gezeigten datieren vermutlich aus dem Jahr 1911/1912 (Carl Hagenbecks größte indische Völkerschau der Welt) und 1911  (Samojeden Völkerschau; Samojeden: ursprünglich Nomadenvolk aus der Küstengegend nördlich des Ural-Gebirges):

Mehr zum Thema Hagenbeck und Völkerschauen lässt sich in unserem Buch „MenschenZoos“ nachlesen. Darin ist u.a. der lesenswerte Artikel Hagenbecks Europatourneen und die Entwicklung der Völkerschauen der Historikerin Hilke Thode-Arora zu finden.

Quelle: Hilke Thode-Arora: Hagenbecks Europatourneen und die Entwicklung der Völkerschauen, in: Pascal Blanchard, Nicolas Bancel, Gilles Boetsch, Éric Deroo, Sandrine Lemaire: MenschenZoos – Schaufenster der Unmenschlichkeit, aus dem Französischen von Susanne Buchner-Sabathy, Hamburg: Les Éditions du Crieur Public 2012, S.160-171.


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